mit Fingerspitzengefühl durchs Leben

Der Tastsinn

Der Tastsinn entsteht beim Menschen schon im Mutterleib, noch vor dem visuellen und auditiven Sinn. Wir erfühlen also unsere Umgebung lange bevor wir sie sehen oder hören. In unserer Haut befinden sich, über den ganzen Körper verteilt, Millionen von Tastrezeptoren, die uns die Eigenschaften und Informationen von unserer Umwelt liefern. Durch sie können wir uns auch trotz geschlossener Augen über unsere Position im Raum klar werden und Lage, Form, Gewicht und Materialität von Objekten wahrnehmen. Dabei reagieren alle Tastrezeptoren unterschiedlich, manche auf Druck andere auf Vibrationen oderTemperatur.

Durch Berühren und Fühlen von Dingen erzeugen wir Informationen für unser Gehirn, das für uns eine dreidimensionale Wahrnehmung des Erspürten erzeugt.

Dabei ist die Feinfühligkeit unserer Fingerspitzen so groß, das es unser plastisches Vorstellungsvermögen um weiten übersteigen kann. Wir können also mehr erfühlen und ertasten als wir bildlich wahrnehmen können. Wenn wir etwas berühren, wecken wir ohne unser Zutun einen haptischen Erfahrungsindex.

Mit unseren Fingerkuppen können wir kleinste Oberflächenunterschiede wahrnehmen - wir begreifen unsere Welt.

Durch eine Berührung lösen wir einen Reiz aus, der meistens auf eine Erfahrung aus der Kindheit zurückgreift. Ob sich etwas für uns weich, glatt, rau, flauschig, stachelig, heiß oder kalt anfühlt, wir haben immer eine Assoziation, ein Gefühl dazu abgespeichert, das beim erneuten Spüren wieder abgerufen werden kann. Zu jeder Haptik haben wir also in uns eine Emotionsdatenbank abgespeichert, die unbewusst bei einer Berührung wachgerufen wird. Durch das Fühlen entstehen in uns also Gefühle.

Unser Tastsinn ist auch unser psychologischer Wahrheitssinn: man kann sich z.B. verhöhren oder einer optischen Täuschung erliegen, aber man kann sich nicht ver-fühlen. 

Eine Berührung ist der reale Kontakt mit der Wirklichkeit. 

 

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